Freitag, 10.12.2021

Unser SCHNEE von gestern- Wissenswertes über unsere Bergstadt!

Teil 7/2021 - Die Mettenschichten

Blick auf die St.-Wolfgangs-Kirche
Blick auf die St.-Wolfgangs-Kirche

Nach unserem letzten Beitrag über das Lichtelfest welcher über 4.000 Menschen auf Facebook erreichte, ist einmal mehr klar, wie sehr die Schneeberger ihre Traditionen lieben! Deshalb soll es in unserem heutigen Post um die Mettenschichten gehen, die wahrlich eine Brücke in längst vergangene Tage sind. Allen „Uhieschn“ sei schon mal gesagt, dass es sich nicht um den Ausverkauf von Mettbrötchen beim Fleischer des Vertrauens handelt Solltet ihr also irgendwo lesen „Heute ist mit Mett schicht!“ dann ist dies nicht mit unserer Tradition in Verbindung zu bringen.

Lange Rede kurzer Sinn! Aus dem folgenden Brief von Hans Leupold erlauben wir uns, an dieser Stelle zu zitieren und unverfälscht aus einem Augenzeugenbericht diese wunderbare bergmännische Tradition vor dem geistigen Auge erlebbar zu machen:

„Ende der 20er Jahre kam die uralte Feier der Mettenschicht wieder in Blüte, die am Abend vor dem Heiligen Abend begangen wurde. (…) Von ihr ging eine bodenständige Kraft aus, die auf mich als jungen Bergmann stärksten Eindruck ausübte, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte und auch gar nicht wollte.(…) Die Mettenschicht begann pünktlich um 19.00 Uhr. Meist lagen die Berge im Schnee.(…) Dicht an dicht saßen die Männer an den rohen Holztischen auf langen, schweren Bänken. Alle im schwarzen Kittel, ein feierliches Bild. (…) Stille trat ein wenn der Obersteiger aus der Bergbibel die Verkündung vorlas. Der Höhepunkt der ernsten Feierlichkeit war aber erreicht wenn der alte Bergchoral gesungen wurde (…) Dann erscholl es ungelenk aber mit Ernst in den Stimmen: Herr der Du meine Pfade lenkst, mit mir zur Tiefe fährst…(…) Die alten bergmännischen Gesangbücher, in Leder gebunden und über 100 Jahre alt, kamen wieder zu Ehren. War der ernste Teil vorbei, so rückten einige Mann los und kamen mit Semmeln und Würsteln wieder. Das große Bierfass am alten eisernen Ofen wurde unter großem Hallo angeschlagen und nun ging ein gemütliches Gelage los. (…)Wenn das Schneeberger Bergglöckel 5.00 Uhr läutete zogen wir letzten dann heimwärts. (…) Es sind so bescheidene und einfache, beinahe nebensächliche Dinge. Und doch, für mich bedeuten Sie eine Welt. Wenn ich tief unten im Flötz liege (…) dann sehe ich sie alle im Geiste vor mir, die alten Getreuen, bei der Arbeit, in der Mettenschicht- in der Heimat! (…) Dank und Glückauf, meine alten Gesellen!

Einfach nur Gänsehaut! Oder? Besonders der letze Satz mit Verweis auf Bescheidenheit und die einfachen Dinge sollte uns Kraft und Trost geben in dieser Zeit. Wir bedanken uns bei unserem Vereinsmitglied Karsten Georgi für die tolle Recherche aus dem Neustädtler Bilderbogen 4/2000 sowie das wunderbare Bild und wünschen Euch allen einen besinnlichen 3. Advent!

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